Bericht des DVMF über das in:prove Projekt

Published On: 1. April 2022Catego­ries: Allgemein

Moderner Fünfkampf wird Gegen­stand eines großen Forschungs­pro­jekts

Die Justus-​​Liebig-​​Universität Gießen, die Goethe-​​Universität Frankfurt und die Deutsche Sport­hoch­schule Köln arbeiten an einem Forschungs­pro­jekt, das – neben weiteren Sport­arten – den Modernen Fünfkampf und seine Athlet:innen zum Gegen­stand ihrer Unter­su­chung macht.

Im Mittel­punkt des Projektes steht die Frage, wie eine bessere Leistungs­för­de­rung der Athlet:innen aus den verschie­densten Diszi­plinen und Sport­arten möglich ist. Ziel dabei ist, Wissen zu generieren, das möglichst effizient in die Praxis umgesetzt werden kann, um so die Konkur­renz­fä­hig­keit deutscher Sportler:innen zu verbes­sern. Partner in diesem Mammut-​​Forschungsprojekt sind neben dem DVMF der Deutsche Basket­ball Bund (DBB), der Deutsche Volley­ball Verband (DVV), der Deutsche Eishockey Bund (DEB), der Deutsche Turner Bund (DTB), der Bob– und Schlit­ten­ver­band für Deutsch­land (BSD) sowie der Deutsche Tisch­tennis Bund (DTTB).

Unter Berück­sich­ti­gung der spezi­ellen Leistungs­struktur soll eruiert werden, wo trainings­be­dingte Anpas­sungen erwünscht und notwendig sind, wo konkrete Indivi­dua­li­sie­rungs­be­darfe liegen und wo konkrete Probleme der indivi­du­ellen Leistungs­ent­wick­lung festzu­stellen sind. Soweit zumindest ganz allgemein gespro­chen. In einem Gespräch erklären die Sprecher:innen der Kommis­sion, Prof. Karen Zentgraf und Prof. Karsten Krüger, Ausgangs­punkte, Ziele und Vorge­hens­weisen des Projekts etwas genauer.

Können Sie das konkrete Forschungs­an­liegen des Projekts kurz zusam­men­fassen?

„Das Thema lautet ‚Leistungs­re­serve Indivi­dua­li­sie­rung‘. Die Möglich­keiten, indivi­du­elle Leistungs­re­serven zu aktivieren, sind in der Sport­praxis noch nicht endgültig ausge­schöpft. Das heißt, es gibt Ebenen, deren Berück­sich­ti­gung eventu­elle Reserven zur Leistungs­stei­ge­rung ermög­li­chen könnten. Das ist erstmal unser Ausgangs­punkt, der für die Erstel­lung dieses Projektes ausschlag­ge­bend war. Nun haben wir es uns mit dem Projekt zum Ziel gesetzt, eben solche Ebenen zu berück­sich­tigen und zu verbinden, um in der Konse­quenz Leistungs­re­serven indivi­duell aktivieren zu können, was zu effizi­en­terem Training und besseren sport­li­chen Leistungen führen kann. Wir arbeiten in diesem Projekt mit der Expertise aus dem Bereich Sport­psy­cho­logie, dem Bereich Sozio­logie, wo es viel um Umwelt­kon­texte geht, dem Bereich Bewegung – Training – Leistung, wo es um Reserven geht, die im Training mobili­siert werden können und dem Bereich Physio­logie, wo beispiels­weise der Faktor Genetik eine Rolle spielt“.

Wie gehen Sie dabei vor?

„Wir werden diszi­plin­spe­zi­fisch erfassen, wie sich Eigen­schaften von Athlet:innen in diesen eben genannten, verschie­denen Bereichen verhalten. Wir begleiten Trainings­pro­zesse und erfassen am Ende einer vorher festge­legten Periode, wer wie auf das spezi­fi­sche Training reagiert, also wer ein sogenannter “high responder” (reagiert gut auf das Training) ist und wer ein “low responder” (reagiert schwach auf das Training) ist. Anschlie­ßend verglei­chen wir die beiden Fälle in größerer Zahl mitein­ander, um dann feststellen zu können, was mögliche Ursachen für ausblei­bende positive Leistungs­ent­wick­lungen sein könnten. Nach einer allge­meinen Analyse der bishe­rigen Erkennt­nisse werden wir dann gemeinsam mit den Trainer:innen und den Sportler:innen, unter Berück­sich­ti­gung der verschie­denen Ebenen, Konzepte entwi­ckeln, wie aus einer sogenannten “niedrigen response“ eine “stärkere response“ werden kann. Am Ende werden wir unter­schied­lichste Athlet:innenprofile erstellen können, die eine Katego­ri­sie­rung zulassen und somit auch auf andere Diszi­plinen und Athlet:innen anwendbar sind.

Das besondere an der Ausge­stal­tung dieses Projekts ist die Trans­dis­zi­pli­na­rität. Wir fixieren uns also nicht wie es bisher typischer­weise gehand­habt wurde im Vornhinein auf eine Perspek­tive, die für diese Leistungs­ent­wick­lung relevant ist. Zudem werden von Anfang an Trainer:innen und Athlet:innen sehr intensiv in alle Prozesse invol­viert. Das ermög­licht uns eine Offenheit im Hinblick auf die indivi­du­ellen Parameter, die für die jewei­ligen Sportler:innen von Bedeutung sind. Wir entscheiden außerdem immer im Team, wo eine Trainings­mo­di­fi­ka­tion hilfreich sein könnte, und orien­tieren uns eng an der leistungs­sport­li­chen Praxis”.

Welche Eigen­schaften des Modernen Fünfkampfes waren ausschlag­ge­bend, um sich für die Teilnahme am Projekt zu quali­fi­zieren?

“Wir können natürlich nicht alle Sport­arten bedienen. Wir brauchten eine Mischung aus Sommer– und Winter­sport­arten, aus Einzel– und Mannschafts­sport­arten und so weiter, sodass wir eine hohe Übertrag­bar­keit auf andere Diszi­plinen gewähr­leisten können. Den Fünfkampf macht genau seine Vielsei­tig­keit für uns inter­es­sant: Wie ist es möglich, so viele Diszi­plinen zu vereinen und auf einem Leistungs­ni­veau zu halten, das in der Weltklasse relevant ist? Es gibt außerdem viele Kompen­sa­ti­ons­mög­lich­keiten in den einzelnen Teildis­zi­plinen. Das ist für unser Projekt gleicher­maßen Heraus­for­de­rung wie auch wahnsinnig inter­es­sant”.

Frau Prof. Zentgraf, Herr Prof. Krüger, vielen Dank für das Gespräch.

Der DVMF sieht die Zusam­men­ar­beit vielver­spre­chend, so Bundes­trai­nerin Kim Raisner: “Wir sind sehr froh, Teil des Projekts sein zu dürfen. Viele Fragen, beispiels­weise in Bezug auf vermeint­liche Leistungs­grenzen können beant­wortet werden. Es geht um den Trainings­alltag, um Verlet­zungs­pro­phy­laxe und so vieles mehr. Am Ende soll auch ein schneller Transfer in die Praxis erfolgen, damit erhoffen wir uns immensen Gewinn für unsere Sportler:innen.”

Seit November laufen offizi­elle organi­sa­to­ri­sche Vorbe­rei­tungen, mit einem Forschungs­start kann etwa im März gerechnet werden, das Projekt ist auf vier Jahre angelegt. Noch ist also Geduld angesagt. Über aktuelle Fortschritte werden wir hier auf unserer Homepage berichten.

Redaktion: DVMF Presse

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